Friday for Future: Ein typischer Zielkonflikt, der besondere Kompetenzen erfordert und fördert

“Why should I be studying for a future that soon may be no more, when no one is doing anything to save that future?” (Greta Thunberg)

Sachargumente vortragen ist das eine, Gehör finden das andere. Da helfen bisweilen nur unkonventionelle Schritte, berechtigte Sorgen und Botschaften so zu transportieren, dass aus dem Wissen endlich Handeln wird. Diese Erfahrungen haben kleine und große Verbände nicht nur des RUTE in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder gemacht: Die Älteren erinnern sich an Greenpeace-Aktionen mit Diaprojektionen auf Gebäude, Abseilen von Brücken bei Atomtransporten und Schlauchboot-Manöver vor Verklappungsschiffen in der Nordsee. Aber auch in Essen wurden Grauzonen ausgereizt: Plastikfolien im Borbecker Schlosspark waren und sind genauso wie Fahrradpiktogramm und Critical Mass auch lokal ein Beitrag zur Bewusstseinsbildung und zum Umdenken bei Verantwortlichen.

Die Eltern- und Großeltern-Generation, die heute Entscheidungen für die Zukunft aller trifft, erlebt persönlich mit hoher Wahrscheinlichkeit die Auswirkungen ihres Vorgehens nicht mehr. Ausbaden müssen aktuelle fatale Fehlentscheidungen die heutigen  Schülerinnen und Schüler.

Dass unser Konsumverhalten insbesondere mit Blick auf Engergie, Rohstoffe und Artenvielfalt so nicht weiter gehen kann, bestreitet niemand, der über etwas Vernunft verfügt. Dennoch schaffen es Lobbyisten immer wieder, mit fadenscheinigen Argumenten billige Emotionen zu schüren und den Bremsern Mehrheiten zu bereiten: Zeitnah notwendige Entscheidungen bleiben aus oder werden auf den Sankt-Nimmerleinstag verschoben. Das scheinbare Zauberwort „Selbstverpflichtung“ wirkt auf den ersten Blick nicht schlecht, darf aber der Politik nicht als Alibi für Aussitzen dienen.

Ist es da wirklich so dramatisch, dass Binomische Formeln, Gedichtinterpretation und idiomatische Satzkonstruktionen mal zurücktreten und lassen sich Sach-, Methoden-,  Urteils- und Handlungskompetenzen nicht auch mal anders erwerben? Zeugen Schülerstreiks in diesem begründeten Falle nicht davon, das hier schon hohe Kompetenzen erzielt worden sind? Können Lehrerinnen und Lehrer nicht stolz auf ihre Schülerinnen und Schüler sein, dass diese so aktiv sind? Dass sie Verantwortung für eine gesamtgesellschaftliche Zukunft übernehmen. Dass sie bürgerschaftliche Rechte wahrnehmen, aber auch Pflichten anerkennen und nicht einfach nur „blau machen“. Passen ihre Aktivitäten nicht auch gut zur der von Ministerin Gebauer eingeforderten Kultur des Hinschauens und Handelns? Ist es nicht bewundernswert, wie kritisch geprägter Unterricht in der Fähigkeit des Einordnens von demokratischen und historischen Dimensionen, Mitwirkung in demokratisch verfassten Gemeinwesen und gemeinschaftlichem Engagement mündet?

Greta Thunberg hat uns allen vorgemacht, wie es geht: Sachlich vortragen, ohne Polemik, eine Plattform nutzen, die wahrgenommen wird, die aufrüttelt.

In diesem typischen Zielkonflikt zwischen schulischen Rechten und Pflichten haben sich die Jugendlichen für ein Handeln entschieden, wie es die Landesregierung selbst in ihrer Nachhaltigkeitstrategie fordert:

Heute Handeln auf der Internetseite der Landesregierung

Auch deshalb unterstützt der RUTE die Bewegung Friday- for- https://fridaysforfuture.de/march15th/Future auch in Essen. Einziger
Wermutstropfen: Am 15.3. ist die Demo in Düsseldorf!

Ein herzliches Dankeschön an Jacques Tilly, der den Jungen Leuten seinen Wagen aus dem Düsseldorfer Rosenmontagszug zur Verfügung stellt…! (siehe Foto oben; Quelle: Facebook/Friday-for-future Essen/WDR)

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