Ostermannplatz: Zielkonfikt, der keiner ist!

Mitten im Eltingviertel am nördlichen Rand der City liegt der Ostermannplatz. Etwas in die Jahre gekommen, aber mit Charme. 16 Platanen, Gesträuch und Spielflächen bilden so etwas wie die kleine Grüne Lunge mitten in einer städtischen Agglomeration. Ein verkehrssicheres Kleinod im Moloch Stadt für Jung und Alt. Die anderswo kaum noch anzutreffende Konstellation mit Spielplatz, Bolzplatz und den Bänken am Kiosk lockt alle Generationen an. Zufällige Begegnungen, ein kurzes Pläuschchen, Spielen mal außerhalb des direkten Blickfeldes der Erwachsenen, aber doch in unmittelbarer Nähe und unter sozialer Kontrolle – wo gibt es das noch in unserer Stadt?

Lange wurde um die Ausgestaltung des Berliner Platzes und der Fläche des ehemaligen Großmarktes – nicht zuletzt auch durch die beispielhafte Bürgerbeteilung im Jahr 1999 (siehe Posterfoto links) – gerungen. Eine hippe Wohnbebauung umgeben von universitärer und gewerblicher Nutzung ist so in den letzten Jahren zwischen Universität und Innenstadt im Universitätsviertel entstanden – mit eigenem Anschluss an den Radschnellweg RS1 !

Das benachbarte Eltingviertel war lange Zeit trotz seiner zum Teil denkmalgeschützen Stadthäuser mit bemerkenswerten Fassaden etwas aus dem Blick geraten. Verschiedenste Kulturen haben hier ein Zuhause gefunden, ein Hauch von Alternativer Szene hat sich entwickelt. Man trifft auf alteingesessenes Bürgertum genauso wie auf Familien mit Kindern und Neubürger. Stadtentwickler und die Wohnungsbaugesellschaft Vonovia und Stadt Essen haben das Eltingviertel mittlerweile als einen Stadtteil erkannt, aus dem sich etwas machen lässt, das durchaus Substanz hat und eine Aufwertung ermöglicht.

So verwundert es nicht, dass sich das Viertel seit 2015 mit dem Titel „InnovationCity-Quartier“ schmücken darf: energetische Umgestaltung, eine Verbesserung der Infrastuktur und die Entwicklung nachhaltiger Wohnkonzepte stehen dabei auf der Tagesordnung. Nebenbei soll damit auch ein Beitrag für den teils angekratzten Ruf von Nordviertel und nördlicher Innenstadt geleistet werden.

Mit Vegetation ist der Essener Norden mit seiner hochverdichteten Bebauung nicht gerade gesegnet. Grünzüge verbinden zwar unbebaute Areale miteinander. Abseits von diesen segensreichen Schneisen tragen jedoch nur wenige grüne Inseln zum kleinklimatischen Ausgleich bei. Genau dies fordert nicht nur Klimatologe Professor Kuttler vehement gerade für Städte wie Essen mit Blick auf den bereits erfolgten und schon in naher Zukufnt verstärkt zu erwartenden Temperaturanstieg – man erinnere sich nur mal an Paris 2003!

Dieses Problem hat auch die Stadt Essen offensichtlich erkannt: Höchste Handlungs- und Planungspriorität zur Reduktion bioklimatischer Belastungen fordern sowohl die Klimaanalyse der Stadt Essen als auch der Stadtökologische Beitrag für den Stadtbezirk I (STÖB)  für das Nordviertel. Und nicht nur im Zusammenhang mit der Grünen Hauptstadt 2017 wurde herausgestellt, dass kein Einwohner Essens es weiter haben soll als 500 m bis zur nächsten Grünanlage. Nordpark und Segerothfriedhof liegen da allerdings nahezu unerreichber für Kids aus dem Eltingviertel…

Apropos: Wie schön – Kinder im Viertel! Wenn man aufwertet, dann gehört auch eine ausreichend große KiTa dazu. Aber wo könnte die eingerichtet werden? Freiflächen sind von der Planung und Finanzierung her meist der einfachste Weg. Aber die sind bekanntlich in Essen ein knappes Gut – erst recht in dicht bebauten Gebieten. Tatsächlich den Ostermannplatz hierfür opfern? Gibt es wirklich keine anderen Flächen oder Räumlichkeiten?

Die Anwohnerinnen und Anwohner wollen ihren Platz nicht so einfach hergeben, wie eine Umfrage im Rahmen des Stadtmonitoring 2016 ergeben hat:

  • Der Bereich zwischen Eltingplatz und dem gegenüberliegenden Spielplatz/Sportplatz wird als zentraler Bereich für die Quartiersbewohner*innen identifiziert und ist daher in der Funktion eines repräsentativen Quar­tiersmittelpunktes zu stärken und als Einheit gestalten. (vgl. S. 46)
  • Der Ostermannplatz wird in der räumlichen Gliederung als „Aktive Fläche für Kinder“ empfohlen. (vgl. S. 49)
  • Die Verortung eines gut zugänglichen Spielplatzes sowie eines Fußballplatzes im Gebiet sind nachdrücklich zu berücksichtigen – auch angesichts der unterdurchschnittlichen Versorgung an Spiel-und Sportflächen im Nordviertel. Bei Entfall des heutigen Standortes ist ein Ersatzstandort für diese Funktionen im Gebiet zu definieren. (vgl. S. 52)
  • Das Wettbewerbsgebiet isoliert zu betrachten, würde einer ganzheitlichen und nachhaltigen Stadtentwick­lung im Wege stehen. Aus diesem Grund sollte im Zusammenhang mit den Überlegungen zum Bau einer neuen KiTA im Eltingviertel tatsächlich überprüft werden, ob der Parkplatz an der Kelinen Stoppenberger Straße nicht als Alternativfläche für die neue KiTA infrage käme. (vgl. S. 53)
  • Die „Szene“, die sich hinter dem Kiosk trifft, wurde nicht als störend wahrgenommen, sondern als eine Bereicherung, da mehr Augen im öffentlichen Raum auch die Sicherheit der spielenden Kinder erhöht. (vgl. S. 36)
  • Die Quartiersbewohner*innen wünschen sich den Erhalt des Spielplatzes und des Sportplatzes, die Instandhaltung der bestehenden Möblierung und die Pflege der bestehenden Anlagen (vgl. IV. Ergebnisse, S. 27)

Quelle: „Stadtteile in Essen“, Nordviertel 2016, Amt für Statistik der Stadt Essen 7/2017 (Nordviertel_03.pdf); Zusammenstellung BI Nachbarn Eltingviertel

Ist der Zielkonflikt zwischen KiTa und Spiel-/Freifläche wirklich einer oder lässt sich nicht bei offener Diskussion, die auf eine Vorfestlegung verzichtet, ein dritter Weg finden? Muss es wirklich Gewinner und Verlierer geben, von denen die WAZ am 19.2. unnötigerweise spricht?

Alternativen gäbe es schon, meint die BI, die sich um den Erhalt des Platzes bemüht und die Linke im Rat der Stadt hat nach Alternativen gefragt:

 

 

 

Etliches war davon nicht geeignet, aber inzwischen tut sich – anders als beim Brexit – ein Verhandlungsfenster auf: „In den Kita-Streit im Eltingviertel kommt Bewegung!“ schreibt die WAZ am 13.3.19 und nennt ein Grundstück an der Süderichstraße als möglichen Kandidaten.

Na, dann hoffen wir mal, dass die Bewegung in ein für alle tragbares Ergebnis – sprich: Unterbringung der Kids in einer ortsnahen Kita UND Erhalt des Ostermannplatzes – münden…

 

(Fotos:  Ostermannplatz R. Wulftange; Berliner Platz-Poster: D. Schruck)

Papier der BI Ostermannplatz_ArgumenteFaktenKitabau_2018-08-02

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