Auto vor Baum – mal anders

Borke einer ahornblättrigen Platane (Quelle: wikipedia, Autor: opuntia)

Gut gepflegt und unter günstigen Bedingungen können Platanen 5-10 mal so alt werden (siehe hier).  wie eine Essenerin nun ist, die die Fällung des Stadtbaumes vor ihrem Haus beantragt hat, weil „der sie beim Herausfahren aus ihrer Einfahrt stört“ (NRZ vom 15.3.14). Wie alt der Baum ist, wird leider nicht beschrieben. Vor 42 Jahren, als die Karossenlenkerin an der Hülsmannstraße einzog, stand er aber bereits, hat also das ältere Recht.

Auf dem Foto in der Papierversion der NRZ ist deutlich zu sehen: Der arme Baum hatte auch schon ohne die Androhung der Fällung genug zu leiden, wurde doch seine ohnehin spärliche Baumscheibe mit (Loch-) Steinen mehr oder weniger versiegelt und sicherlich auch ständig befahren, der Boden, aus dem die Platane Nährstoffe und Feuchtigkeit zieht, enorm verdichtet. Seine Feinwurzeln hatten da nicht viel zu lachen angesichts des Pressens und Stauchens. Dies könnte man – zugegeben etwas überspitzt – ungefähr damit vergleichen, unsere Finger und Zehen würden regelmäßig in einen Schraubstock gespannt… Dass dabei die Wurzeln geschädigt werden, wie ein Gutachter festgestellt hat, verwundert nicht. Dennoch hat die Platane durchgehalten, der Gutachter hat ihr sogar ansonsten blendende Gesundheit attestiert, was bei diesen Bedingungen fast schon an ein Wunder grenzt. Sie scheint also ein erstaunlich robuster Typ zu sein, unser Sauerstoff- und Schattenspender im Stadtgetümmel.

All ihre Widerstandskraft wird ihr aber wohl nichts nützen: Die Feuerwehr käme im Notfall nicht rein, wird argumentiert (die kommt noch ganz woanders rein!). Und die Ein- und Ausfahrt sei einfach zu beschwerlich. BV sowie Grün und Gruga kriechen vor der Autofahrerin  zu Kreuze. Die Grünpfleger machen ihrem Namen alle Ehre und stimmen dem Fällantrag zu – und das ist mindestens genauso ein Skandal wie der Antrag selbst!

Jetzt wird rumgejammert, welche Kosten mit der Fällung einher gehen. Neben den Fällkosten soll die arme Frau 768 € als Wertausgleich an die Stadt zahlen. Wegen der beschädigten Wurzeln hat man ihr sogar die Hälfte erlassen. Auch wenn das für knapp 800 € kaum zu realisieren ist: Vielleicht setzt die Stadt (oder die Anwohnerin?) ja 1-2 Meter weiter einen neuen Baum?

Übrigens: Auch wenn sich der finanzielle Wert eines Baumes schwer beziffern lässt: Der Bund deutscher Baumschulen hat dazu mal eine Rechnung aufgemacht und kommt auf eine Leistung von ca. 660 EUR eines Baumes – pro Jahr!!!!!

Das Problem mit dem Ein- und Ausfahren hätte man mit den 768 € plus „Nebenkosten“ ja vielleicht auch anders lösen können. Konnten sich etwa die Nachbarn nicht einvernehmlich auf eine gemeinsame Ein- und Ausfahrt einigen? Das wäre schade!

Tja, die Platane wird’s wissen, aber die schwieg wie ein Grab, so lange sie noch stand ….

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