Freiflächendiskussion im Zusammenhang mit der Unterbringung von Flüchtlingen – keine freien Wohnungen?

Freiflächen - immer wieder ein Objekt der Begierde! (Foto: D.Schruck)

Freiflächen – immer wieder ein Objekt der Begierde! (Foto: D.Schruck)

Zu diesem Thema erreichte uns auszugsweise folgende Mail an den OB, die wir hier wieder geben (der Absender ist uns namentlich bekannt, die Mail ging auch an die BV, ist also ohnehin öffentlich):

Sehr geehrter Herr Kufen,

Sie hatten im Zusammenhang mit ihrer städtebaulichen Strategie und der Unterbringung von Flüchtlingen, den vorhandenen Wohnungsleerstand in Essen mit unter 2% angegeben. Dies kann ich nicht nachvollziehen.

Ich bin am 30.12.2015 durch den unteren Teil des Bergmannsfelds (Philosophenweg, Nietzscheweg, Spinozastraße, Schellingweg) gegangen und habe den dortigen Leerstand protokolliert. Innerhalb einer Stunde habe ich 94 leer stehende Wohnungen gefunden. Die Adressliste finden Sie im Anhang. Wahrscheinlich gibt es im oberen Teil noch einmal eine ähnlich hohe Anzahl leer stehender Wohnungen.

Meine Partnerin und ich sind seit vielen Jahren mit dem Bergmannsfeld verbunden. Wir kennen die Häuser, den Zuschnitt der Wohnungen und teilweise auch deren Zustand. Die Wohnungen können unserer Meinung nach mit wenig Aufwand und zeitnah für Flüchtlingsfamilien (und andere Wohnungssuchende) hergerichtet werden. Aus meiner eigenen Erfahrung als Vermieter kann ich nur sagen, dass die Vermarktung der leer stehenden Wohnungen durch die Immobilienbesitzer im Bergmannsfeld unprofessionell ist.

Wir wissen auch um die Probleme des Quartiers. Jedoch können wir aus eigener Erfahrung und über Bekannte sagen, dass gerade der Nationalitäten-Mix bei der Integration behilflich ist. So hilft z.B. meine Schwiegermutter einer syrischen Familie in ihrem Haus und ein Bekannter von uns (aus dem Libanon, 2. Generation) hilft als Dolmetscher, bei Arztbesuchen und Papierkram. Wir selber haben ebenfalls bei der Wohnungssuche und vielen alltäglichen Dingen geholfen. Die Integration der Flüchtlinge gelingt in vorhandenen Wohnumfeldern gerade deshalb, weil dort die Ansprechpartner und Helfer nur eine Tür weiter wohnen, jederzeit ansprechbar sind,  teilweise die Sprache sprechen und ähnliche Erfahrungen haben.

Neue Flüchtlingssiedlungen auf der grünen Wiese sind potenzielle Ghettos. In diesen sind die Flüchtlinge, gerade in der ersten für die Integration so wichtigen Zeit, isoliert. Sie sind keine Alternative zur Integration in vorhandene Wohnumfelder.

Ich bitte Sie, den von mir benannten leer stehenden Wohnungen nachzugehen, den Kontakt zu den Immobiliengesellschaften zu suchen und den vorhandenen Wohnraum für die Unterbringung der Flüchtlinge zu aktivieren. Gerne bin ich bereit, weiteren Leerstand zu melden. Vermutlich gibt es im Hörsterfeld ähnlich viele leer stehende Wohnungen.

Mit freundlichen Grüßen

….

Wieso dann derartige Schnellschüsse mit Flächenbedarf und dergleichen? Die Stadt sollte erst mal ihre Hausaufgaben machen….

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