Verkehr in Essen: Gute und schlechte Nachrichten

Erst die Gute oder erst die Schlechten?

Die Gute:
Von 1930 bis 1952 wurde der Fahrdrahtbus Mettmann–Gruiten (Foto: Historisches Dorf Gruiten) als erster moderner elektrischer Oberleitungsbus-Betrieb in Deutschland auf einer Strecke von 5,8 km als Überlandstrecke lokal abgasfrei betrieben. Spät, aber vielleicht nicht zu spät, ist 90 Jahre nach Einführung im Niederbergischen auch in der Energiestadt Essen mit elektrisch betriebenen Fahrzeugen zu rechnen.

Nachdem der Hybridbus die Erwartungen nicht erfüllen konnte, geht die Ruhrbahn – der Zusammenschluss von Essener EVAG und Mülheimer MVG – einen Schritt in die richtige Richtung mit der Anschaffung von Elektrobussen. 5 neue E-Fahrzeuge sollen ab 2020 in Essener Stadtgebiet im Einsatz sein und damit Vor-Ort-Luft-Emissionen  auf Null senken – allerdings bei insgesamt 251 Dieselfahrzeugen – und davon auch längst nicht alle EURO6 – eher ein Tropfen auf den heißen Stein…

Rückwirkend muss allerdings angesichts von 65 Jahren lokal abgasfreiem Öffentlichem Nahverkehr mit Obussen in Solingen, einer Stadt mit anspruchsvollerer Topografie als Essen und heute knapp 60 km  emissionsfreiem Netz und knapp 100 km Fahrleitungsdraht, festgehalten werden, dass Essen wohl lange Jahre zu viel rumexperimentiert und zu wenig abgas- und lärmfreie Mobilkonzepte dauerhaft auf den Weg gebracht hat – Spurbusse (Foto rechts: JürgenG CC3.0 wikipedia),  unterschiedliche Gleisbreiten und Bahnsteighöhen lassen grüßen! Der neue Entschluss lässt aber hoffen ….

Und nun die Schlechten:
Fast 10 Prozent mehr verletzte Fußgänger in den ersten acht Monaten dieses Jahres meldet die Essener Polizei (NRZ v. 22.9.17) und will härter durchgreifen. Na ja, wird der ein oder andere sagen, so wie sic Fußgänger verhalten, kein Wunder! Aber der Artikel klärt auf, dass nur ein Viertel der Unfallopfer selbst Schuld ist, etwa weil sie bei Rot über Ampeln laufen oder auf ihr Smartphone starren.

„Den Löwenanteil der Verantwortung für diese Negativentwicklung auf Essens Straßen aber tragen die Autofahrer. Fehler beim Abbiegen, überhöhte oder unangepasste Geschwindigkeit und der zunehmende Blick auf das Handy während der Fahrt sind die Hauptursachen, die immer wieder schlimme Folgen haben. Inzwischen enden über 22 Prozent aller Unfälle auf den innerstädtischen Straßen mit Verletzten. Drei Menschen starben im vergangenen Jahr, zwei verloren in 2017 ihr Leben. Doch die dunkle Jahreszeit mit schlechter Sicht erhöhten Unfallrisiken steht noch bevor. “ so die Zeitung. (Ghost-Bike am Bismarckplatz – Foto: ADFC)

Zugeparkte Gehwege sind sicher auch noch zu nennen: Die Unsitte, wegen ein paar gesparter Meter Fußweg zum Ziel das Auto so auf den Gehweg zu stellen, dass Fußgänger auf die Fahrbahn ausweichen müssen, greift auch immer mehr um sich. Die Ordnungsbehörden aber leider nicht durch – auch hier besteht Handlungsbedarf!

Aber da gibt es ja glücklicherweise die Verkehrserziehung! Man kann nicht früh genug anfangen, bei den Kleinen ein vernünftiges Verhalten im Verkehr – ob zu Fuß oder mit auf Rädern – einzuüben. Und da leistet die Verkehrswacht mit ihren Jugendverkehrsschulen einen nicht zu vernachlässigenden Beitrag!

Leider gibt es hierzu die zweite schlechte Nachricht:
Im Rahmen der aktuellen GRUGA-Bad-Diskussion wurde auf einmal im Rahmen einer Bürgerbeteiligungsveranstaltung ein Hotelkonzept aus dem Hut gezaubert, das möglicherweise auch nicht vor dem Zugriff auf die neben Essens beliebtestem Schwimmbad ansässige Jugendverkehrsschule zurückschreckt. Oder ist das nur ein Gerücht? Wie auch immer – wie wichtig Verkehrsbildung ist, zeigen auch die aktuellen Unfallzahlen. Die 5 gerade von der Verkehrswacht gespendeten neuen Räder gehören also nicht in die Mottenkiste!

Und gern rufen wir auch mal wieder die Zielsetzung der Europäischen Grünen Hauptstadt in Sachen Verkehr in Erinnerung ….

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