Essener Bürgerinnen und Bürger setzen sich für pestizidfreies Essen ein – Schluss mit Glyphosat!

Trotz Regen und Kälte haben sich am Dienstag, den 21. November 2017 ein gutes Dutzend Aktivistinnen und Aktivisten vor der CDU-Geschäftsstelle in Essen zusammengefunden, um sich für ein Verbot des Pestizids Glyphosat einzusetzen. Die von Campact bundesweit organisierte Aktion hatte zum Ziel, die Unterstützung der CDU Essen im Kampf gegen die Verlängerung der Glyphosat-Zulassung durch die EU zu gewinnen.

Glyphosat ist ein Herbizid (Pestizid gegen Pflanzen), welches nicht-selektiv wirkt. Es ist tödlich für alle Pflanzen, die nicht durch gentechnische Veränderungen resistent sind. So werden ohne Pflügen Unkräuter vernichtet, die Ernten verringern – nebenbei werden jedoch auch Wildkräuter zerstört, die für Kulturpflanzen nicht schädlich sind und für Insekten und Vögel eine wichtige Nahrungsgrundlage darstellen. Seit 1990 ist die Masse an Fluginsekten in der Luft um mehr als 75% gesunken, was nicht nur die Gefahr für die Artenvielfalt verdeutlicht, sondern auch die Bedrohung des Menschen beispielsweise durch das Bienensterben.

Weitere negative Folgen gibt es auch für Fische, Amphibien und Regenwürmer.

Der von Monsanto unter dem Namen Roundup auf den Markt gebrachte Wirkstoff ist mengenmäßig der bedeutendste Inhaltsstoff von Herbiziden und wird neben der Landwirtschaft unter anderem in Gartenbau und Privathaushalten eingesetzt. In Deutschland werden rund 40% der Ackerflächen mit Glyphosat behandelt. Zugelassen ist das Herbizid in der EU seit 2002. Nachdem 2016 keine qualifizierte Mehrheit für die Neuzulassung zustande kam, wird Ende 2017 erneut über eine weitere Zulassung von Glyphosat in der EU abgestimmt; die Zulassung läuft am 15. Dezember aus.

Für die Verlängerung der Zulassung ist eine Bewertung durch die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) und die Europäische Chemikalienbehörde (ECHA) notwendig. Diese stützen sich auf das Gutachten des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), in welchem die Gefahren von Glyphosat für Mensch und Umwelt untersucht wurden.

Problematisch daran ist jedoch, dass wichtige Passagen aus dem Gutachten des BfR von Monsanto stammen und diese nicht kenntlich gemacht wurden. Dazu kommt die Einstufung von Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Untersuchungen, die zu dem Schluss kamen, dass Glyphosat krebserregend sei, wurden im besagten BfR-Gutachten als „nicht zuverlässig“ bewertet.

Campact startete einen Aufruf an verschiedene Parteien in Deutschland, gegen die Neuzulassung von Glyphosat zu stimmen.

In ganz Deutschland suchten vom 21. bis 23. November 2017 Umwelt-Engagierte zusammen mit Campact-Aktivist*innen das Gespräch mit den CDU-Parteibüros in ihren Städten – so auch in Essen. Nachdem die anfängliche Befürchtung einer „Besetzung“ überwunden war, erklärte sich Norbert Solberg, Geschäftsführer der CDU im Kreisverband Essen, bereit, das Anliegen der Aktivist*innen anzuhören.

Es war ein ausführliches Gespräch, bei dem viele verschiedene Punkte zur Sprache kamen. Die Kritik an einer möglichen Verlängerung der Glyphosat Zulassung wurde ernstgenommen, auch wenn ihr durchaus Gegenargumente gegenübergestellt wurden.

Die Umwelt-Engagierten schlugen vor, das Modell einer pestizidfreien Stadt nach dem Vorbild von Mals auch in Essen zu verwirklichen. In dem Ort in Südtirol mit viel Apfel­anbau gilt seit 2014 ein Pestizidverbot, weil bei einer Volksabstimmung 76% der Bürgerinnen und Bürger für das Verbot stimmten.  Essen könnte, so die Hoffnung, mit einer solchen Entscheidung dem Titel „Grüne Hauptstadt Europas 2017“ mehr gerecht und Vorreiter in Deutschland werden.

Der Essener CDU-Vertreter empfahl den Demonstrierenden, sich auf EU-Ebene an die CDU zu wenden, die Europaabgeordneten aus Essen seien durchaus näher an der Problemquelle, da es eher ein europäisches denn ein nationales Problem sei, so Norbert Solberg. Was sich auf nationaler Ebene tue, da müsse man in Anbetracht der Lage noch abwarten; möglicherweise würde auch in Berlin momentan über vieles nachgedacht, aber über die Verlängerung von Glyphosat weniger.

Stellvertretend für die CDU Essen sicherte er jedoch den für eine gesunde Umwelt Engagierten seine Gesprächsbereitschaft zu und betonte, man werde auch in Zukunft gerne zusammenarbeiten.

Zu hoffen bleibt, dass Deutschland beim nächsten Mal mit „Nein“ gegen die erneute Zulassung von Glyphosat stimmt und mit dafür sorgt, dass das Herbizid verboten wird.

Leonie Hecken

Ergänzung:

Obwohl Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) strikt gegen die Verlängerung war und ist,

hat Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) auf der entscheidenden EU-Sitzung am 27.11.17 der Verlängeung um 5 Jahre der EU-weiten Nutzung zugestimmt – ohne

Abstimmung mit der Kanzlerin! Ein Affront!

Der RUTE empfindet die persönlichen Angriffe und (Mord-) Drohungen gegenüber dem Landwirtschaftsminister als absolut verabscheuenswürdig und begrüßt die Gesprächskultur der beiden Ressortchefs – auch wenn der Dissnes nicht vom Tisch ist.

Ebenson freuen wir uns über das Angebot vom Essener CDU-Bundestagsabgeordneten Hauer, wenngleich auch hier unterschiedliche Auffassungen bestehen.

Dazu unser Schriftwechsel:

Sehr geehrter Herr Hauer, 

ich möchte mich heute noch für unser halbstündiges morgendliches Telefongespräch über das Problem der Glyphosatanwendung bedanken. Sie hatten sich nach Ihrer eigenen Aussage knapp zwei Stunden Vorbereitungszeit genommen. Unser gemeinsamer Zeitaufwand liegt damit nicht weit auseinander.

Sachlich-fachlich sind unsere Ansichten unterschiedlich geblieben. Ich brauche sie nicht zu wiederholen. Das Gesprächsniveau und die -atmosphäre haben hierunter nicht gelitten.

Vor einer Stunde hat mich das ZDF im Heute Journal über die deutsche Entscheidung für eine weitere fünfjährige Glyphosatanwendung unterrichtet. Noch mehr als die Entscheidung an sich wird die Art und Weise zu einer weiteren wesentlichen Politikverdrossenheit gerade politisch und sozial engagierter Bürger führen:

Die Umweltministerin Hendricks teilt ihrem Amtskollegen Landwirtschaftsminister Schmidt ihre bekannt strikte Ablehnung einer weiteren Erlaubnis mit. Der jedoch setzt sich mit dem Vermerk „er sei halt der Schmidt“ über das festgelegte Verfahren hinweg, dass bei Dissonanz in Fachfragen zweier federführender Ministerien Deutschland sich in der EU weiterhin der Stimme zu enthalten hat.

Ich frage mich, wo da die Bundeskanzlerin mit ihrer Richtlinienkompetenz bleibt.

Sehr geehrter Herr Hauer, Radtke und Solberg,
sehr verehrte Frau Dr. Sommer,

ich persönlich und mit Sicherheit fast alle angeschriebenen RUTE Aktiven sind deprimiert und fassungslos über die Umstände, wie die Entscheidung heute zustande gekommen, und von Ihrem Parteifreund Schmidt präsentiert wurde! Das lässt für eine Regierung der nächsten Jahre nichts Gutes erwarten!

Sie, Herr Hauer, haben mir zugesagt, dass Sie den Inhalt unseres Anliegens und die Ihnen eingereichten Unterlagen am 5.12. dem CDU Kreisverband zur Diskussion vortragen wollen. Auch über die Hauptpunkte unseres Telefonats wollen Sie Ihre Parteifreunde unterrichten.

Ihr Gesprächsangebot greifen wir gerne auf. Auch wir haben Interesse an zukünftigen Gesprächen mit der Essener CDU.  

Mit umweltfreundlichen Grüßen verbleibe ich   Ihr D. Küpper, Moderator des RUTE

Schließlich unterstützen wir voll und ganz den Offenen Breid des BUND an Bundeskanzlerin Merkel:

BUND Glyphosat Offener Brief an Bundeskanzlerin Merkel 2017-11-28

Fotos: oben: Peter Kayser; MdB Hauer: Nesselhauf; Glyphosat-Grafik: SPD

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