Einatmen – ausatmen – nicht mehr atmen…

Jeder der mal beim Lungen-Röntgen war, kennt das. Dabei geht es aber dann um Diagnostik und ggfs. Heilung, also um ein gesunde Fortsetzung des menschlichen Lebens. Die aktuelle Luftbelastungssituation macht aber – auch für etliche Essenerinnen und Essener daraus einen dauerhaften Ernst – bis hin zum Tode!

Und der Verbrennungsmotorlobby geht die Muffe! Sie will auf keinen Fall das betriebswirtschaftliche Disaster erleben, wie es die Energiewirtschaft durch eigene fehlerhafte Entscheidungen durchgemacht hat und durchmacht. Aber anstatt auf Vernunft zu setzen und die vorhandenen Gewinne in eine nachhaltige Technologie einzubringen, werden aus Gier und Verbohrtheit emotionale Karten aufgespielt. Wie anders ist die Großoffensive zu erklären, dass alles mobilisiert wird, was noch krauchen und irgendwie gegen die erfolgreich und sachlich korrekt argumentierende Deutsche Umwelthilfe, der die Gesundheit der Bevölkerung am Herzen liegt, schießen kann?
Da treten Marktforscher auf den Plan: GFK stellt fest, dass nur 14% ein Dieselfahrverbot wollen. Wurde auch nach dem Wunsch nach Gesundheit gefragt?  Auch die Essener NRZ titelt lieber „Fahrverbote gefährden die Betriebe“ (30.11.17) als „Fahrverbote retten Leben“ (leider noch nicht so erschienen).
Da zahlt sich nun aus Sicht der Autoindustrie aus, dass man über Jahrzehnte intensive Lobbyarbeit betrieben hat – im Bund, im Land und warum nicht auch auf lokaler Ebene! Bei Entscheidern, bei Print- und TV-Medien, bei Politik und Verwaltung. Die Armada der Lobbyisten hat gute Arbeit geleistet. Medien berichten subtil passend, Institute liefern Argumente, die nach Renommée aussehen. Die Politik nickt ab, stimmt oder schaut zu, macht gar nichts oder betreibt ein wenig Kosmetik; einige wenige regen sich ohne Erfolg machtlos auf. Dabei wären auch deutliche Entscheidungen möglich, ohne dass die Autoindustrie am Hungertuch nagen würde – siehe bleifreies Benzin, Katalysator, Partikelfilter… der RUTE hat u.a. dies früher schon mal aufgelistet.

Durch diese subtile und geschickte Vorgehensweise wird die Bevölkerung, die in gutem Glauben und im Vertrauen auf Messwerte und Ökoversprechen in den bunten Broschüren der Autohändler sich gerade einen neuen Diesel zugelegt hat, darauf eingeschworen, lieber auf die Motorshow als die Faitrade oder Fahrradmesse zu gehen. Und die ewigen Meckerfritzen von den Umweltverbänden sollen sich doch auf ihr Fahrrad setzen und die Klappe halten…

Nur dumm, dass auch wir Essener alle – ob Fußgänger, Rad- oder Autofahrer – von der bedrohlichen Luftbelastung betroffen sind. Da gibt es kein Entkommen. Unser Ziel ist es ja gerade, alt zu werden und nicht vorzeitig zu versterben. Wir gehören also alle mal irgendwann zur Risikogruppe. Menschen mit vorgeschädigten Atemwegen (Asthmatiker oder Patienten mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung/Raucherlunge) gibt es gerade im Essener Norden nicht wenige und die sind besonders gefährdet. Stickoxide verengen bereits in geringeren Konzentrationen die Bronchien und Blutgefäße. Auch Allergiker, die auch ständig zunehmen, leiden bei hoher Stickoxid-Belastung der Luft mehr ebenso wie Kleinkinder, deren Atemluftaustausch im Verhältnis zur Körpermasse viel größer ist als bei Erwachsenen (mehr Fakten z.B. beim SWR, dem Sender im Autoland Baden-Württemberg). Im Grunde müssten also der gesamte Essener Norden und die Einwohner von Werden (Brückstraße!) für griffige Sofortmaßnahmen sein! Und das sind mehr als 14% …

Da spielt es nur eine untergeordnete Rolle, ob es nun exakt 11400 Tote in der EU im Jahr 2015 waren (laut Studie der Environmental Health Analytics in Washington) sind oder ist es ob die Stickoxidbelastung ausschließlich von Diesel-Pkw oder teilweise auch von anderen Quellen stammt . Sie ist nachweisbar und Verbrennungsmotoren, vor allem Diesel, spielen eine entscheidende Rolle. Die Diskussion verläuft also so ähnlich wie bei der Klimawandeldiskussion und deren antropogenen Ursachen! Die Altenessener sind in diesem Sinne die Fidschi-Inseln Essens…

Die fremdgesteuerte Politik darf jedoch nicht so weiter gehen! Zum Glück haben wir die Gewaltenteilung zwischen Gesetzgebung, Exekutive und Rechtsprechung – in unserem Land noch nicht wie anderswo der Gleichschaltung ausgesetzt, sondern weiterhin weitgehend unabhängig!
Was ist also zu tun, wenn die Gerichte nicht im Sinne der Autolobby entscheiden und nicht nur in Stuttgart ein Fahrverbot erzwingen, sondern auch in einigen oder allen der 90 belasteten Städte, also auch in Essen? Der Lobbyschuss also nach hinten losgeht? Wie geht dann die Stadt Essen damit um?

Wir drehen den Spieß einfach mal um zum Positiven! Der RUTE setzt sich seit 24 Jahren für eine nachhaltige Stadtentwicklung ein. Wie sieht eine nachhaltige Stadtentwicklung aus? Gesundheit gehört in hohem Maße dazu. Nicht sogar an erster Stelle? Hört man nicht gerade bei älteren und/oder kranken Menschen und bei Geburtstagswünschen „Gesundheit ist das Wichtigste!“ ? Muss man nicht letztlich alles andere darunter subsummieren? Und hat nicht eine geringere Nutzung des Autos so viele andere positive „Neben-„Effekte, die uns durch Hochglanzbröschüren und Verheißungen verborgen bleiben? Stärkung des Bewegungsapparates, Schärfen der Sinneswahrnehmungen, Muße beim Zeitungs- oder News-Lesen in der Bahn, Schmerzfreiheit durch Bewegung, Gemeinschaftsgefühl beim Gehen statt isoliertes Sitzen im Auto und und und …

Wird es nicht Zeit, darüber intensiver nachzudenken und die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen? Auch hier eine echte Wende, einen Paradigmenwechsel herbei zu führen?

Dazu das Angebot des RUTE, formuliert in einer Erklärung von den beiden Medizinern Dr. med Dieter Küpper und Dr. med Horst Pomp:

Die Mehrheitsfraktionen im Rat der Stadt Essen und große Teile der Wirtschaft lehnen Fahrverbote ab, die sofort Immissionsminderung bewirken. Sie weisen auf Regulierungen hin, die eventuell im Jahr 2018 oder später zu einer Verminderung der Immission führen.
Die Gesundheitsgefährdung besteht aber schon lange in der Vergangenheit und Gegenwart! Daher ist es dringend geboten, dass Wirtschaft und Politik erklären,was sie als kurzfristige Maßnahmen ergreifen wollen.
Wir schlagen vor, dass unter Leitung des OB Kufen eine Arbeitsgruppe gebildet wird, die sich aus Vertretern der Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft, Medizinern und Umweltverbänden zusammen setzt. Ihre Aufgabe: Erarbeitung von machbaren/umsetzbaren und sofort wirksamen Maßnahmen.
Wir sind zur Kooperation bereit.
Im Namen des RUTE (RUNDER UmweltTisch Essen)

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